Charlie ist ein Rüde unkastriert, geb. November 2005
Seine Besitzer sind Rentner
Charlie's Vorgeschichte
Charlie wurde mir als ein ängstlicher Hund vorgestellt, der sich bei allem was sich bewegt entweder hinlegt oder erstarrt. Fahrräder werden gejagt. In die Stadt könne man mit ihm gar nicht mehr gehen, da er sich nur noch flach auf den Boden legt. Dies würde er aber erst tun seit er von einem anderem Hund gebissen wurde.
Wenn er an der Leine geht ist er kaum zu halten. Herr Meier ist sehr schlecht zu Fuß und Frau Meier hat Osteoporose. In der Hundeschule sagte man ihnen vorwurfsvoll wie man sich den nur einen Border Collie anschaffen könne. Was soll ich in das gleiche Horn rufen, der Hund ist jetzt da und nun machen wir das Beste daraus. Damit habe ich viel Sympathie und Vertrauen bei der Familie geerntet.
Frau Meier, Charlie und ich machten einen kleinen Spaziergang, damit ich mir ein Bild von ihm machen konnte. Ich sah keinen ängstlichen Hund, sondern nur ein typisches Hüteverhalten von einem Border, der sich hinlegt (in der so genannten Down-Position) um zu beobachten und wäre er nicht an der Leine würde er sofort zum Objekt seiner Begierde hinrennen. Da Charlie das Hörzeichen „Hier“ nicht so genau nahm, machten wir eine Abrufübung mit Schleppleine. Charlie lässt sich sehr gut motivieren und es machte ihm sichtlich Spaß. In die Stadt konnten wir leider nicht gehen, da ich sonst Frau Meier überanstrengt hätte. Sie erhielt von mir viele Erklärungen warum man ttoucht und wie ich mir das weitere Training vorstelle.
Beginn der Arbeit
Charlie ließ sich sehr gut von mir motivieren als es um die Abrufübung ging. Leckerchen nahm er ohne weiteres von mir aus der Hand.
Zurück im Haus von Familie Meier. Wollte man ihn anfassen, wich er erst einmal aus und suchte Schutz bei Herrn und Frau Meier. Ehrlich gesagt hatte ich diese Reaktion nicht erwartet da er draußen freudig auf mich zurannte. Ich erfuhr, dass er sich Fremden gegenüber immer so verhält. Dies zeigte mir einen unsicheren Hund (die Körpersprache sprach Bände), welches in meinen Augen irrtümlicherweise als Angst bezeichnet wurde. Ich lockte nochmals mit harten Leckerchen, das er nahm und so konnte ich erstmal einige beiläufige Lamatouches machen.
TTouch | Druckstärke | Bemerkungen |
Lamatouch an den Seiten und der Brust | 1-2 1 Sek. Touch | Er schaut, weicht zurück und lässt sich durch ein Leckerchen wieder herlocken |
Schimpansentouch an den Seiten | 1-2 1 Sek. Touch | Er bleibt schon etwas ruhiger stehen. |
2 1 Sek. Touch | Immer noch etwas skeptisch lässt er sich die Seiten touchen. Jetzt legt er sich hin und ich darf ihn überall touchen. Seine Atmung wird ganz gleichmäßig und ruhig. Die Augen fallen zu. | |
2 2 Sek. Touch | Die Augen sind weiterhin geschlossen. Ich mache kleine Bärentouches rund um die Ohren und streiche diese dann sanft aus. | |
| Mit geschlossenen Augen genießt er das Haargleiten an den Ohren, am Rücken und am Bauch. Als ich an den Schwanz komme steht er auf und dreht den Körper weg. |
Anlegen des Geschirrs
Ich erkläre ihr warum ich ein Geschirrchen für besser halte, worauf ich meines von Frau Meier anlegen lasse. Charlie hat damit absolut kein Problem. Wir plaudern ein wenig um ihm die Zeit zu geben sich an das Gefühl eines Geschirres zu gewöhnen und auch die TTouch-einheiten zu verarbeiten. Nach einer kleinen Pause versuche ich nochmals Noahs Marsch. Ich darf ihn an beiden Seiten und am Bauch abstreichen, Kopf, Beine und vor allem der Schwanz sind tabu. Er fühlt sich weich und warm an, die Bauchdecke hebt und senkt sich wieder schneller.
Man sagt mir, er lasse sich auch sehr ungern bürsten, vor allem an den Hinterbeinen und am Schwanz. Deshalb würde man Charlie auch nur 1x wöchentlich bürsten. Das sind genau die Zonen, die ich auch nicht ttouchen konnte. Wir verabredeten uns für die nächste Woche und ich gab folgende Hausaufgaben:
- Tägliches sanftes Bürsten des kompletten Fells, besonders den Schwanz inklusive Haargleiten.
Wolkenleoparden, wann immer es möglich ist -
Abrufübung mit der Schleppleine.
Man berichtete mir stolz, dass durch den TTouch (auch wenn er noch nicht perfekt war) sich Veränderungen bei Charlie zeigten, nämlich ließ er sich wesentlich lieber bürsten auch den Schwanz.Er würde sich jeden Abend beim Fernsehen auf die Füße legen und seineTTouches regelrecht einfordern. Es waren gerade mal 4 Tage seit dem letzten Treffen dazwischen. Ein Geschirr wurde auch gekauft.
Heute war es möglich Charlie abzustreichen. Zuerst wich er wieder etwas zurück aber dann ließ er sich doch überreden. Er fühlte sich weich und warm an, die Beine eher kühl. Da das Fell sehr dick ist und ich sehr sanft darüber strich spürte ich die Muskeln sehr schlecht. Der Körper war angenehm warm, nur an den Hinterbeinen würde es kühler. Er legte sich dann auch noch genussvoll auf den Bauch, wobei ich merkte wie seine Atmung nicht mehr so heftig und schnell war wie das erste Mal.
Außerhalb des Hauses legte ich ein Labyrinth aus Schnüren. Gemeinsam mit Frau Meier führten wir Charlie in der Brieftaube.
Charlie ging sehr langsam und bewusst, hielt sofort an. Er reagiert auf feine Signale. Beim Halten korrigiert er selbst seine Beinstellung in eine fast parallele Position.
TTouch | Druckstärke | Reaktion |
Halbe schwarze Körperbandage |
| Bevor ich die Bandage anlege touche ich ihn damit, das Anlegen bereitet keinerlei Probleme. |
Wolkenleopard, teilweise mit Heber, vor allem an den Beinen | 2 2 Sek. Touch | Er bleibt ruhig stehen. Beim Heber schaut er mir aufmerksam zu. |
Sanftes Abstreichen | 2-3 | Charlie bleibt immer noch ruhig stehen. |
3 | Drückt seinen Körper leicht an mich. Fällt kurz aus der Balance. | |
2-3
| Ich spüre, wie die Atmung ruhiger wird. | |
Schwanzarbeit, sanftes abstreichen | 1-2 | Ganz nebenbei streiche ich immer wieder mal den kompletten Schwanz ab. Er blickt kurz nach hinten. |
| Ständiges abstreichen bei jedem Stopp. Man kann förmlich beim abstreichen der Beine sehen, wie Charlie geerdet wird. |
Zwischendrin wird er mal sehr unruhig und will nicht mehr weiterarbeiten. Ich entdecke in der Entfernung ein Fahrrad. Als ich ihn daraufhin ttouche benötigt er ein paar Minuten ist dann aber wieder bei uns und arbeitet konzentriert weiter. Gemeinsam gehen wir noch durch das Slalom. Frau Meier fühlt sich in meiner Gegenwart sehr sicher, daher ist auch ihre Atmung sehr ruhig und entspannt. Sie sagt seit sie Charlie abends ttouchen würde, lässt er sich viel lieber bürsten.
Das nächste Treffen
Heute werde ich freudig von Charlie begrüßt, der sich gerne anfassen lässt, dann aber kurz seine Runden im Garten drehen will. Ich lege heute ein Körperband plus Geschirr an, um mehr Bewusstsein in seine Hinterbeine zu bekommen. Gemeinsam gehen wir in der Brieftaube wieder durch ein Labyrinth diesmal vor dem Haus. Wir haben jetzt die Ablenkung von Autos, Passanten, Fahrrädern und anderen Hunden. Da es sich um eine Seitenstrasse handelt hält sich die Ablenkung bewusst noch in Grenzen.
Wie bereits in der zweiten Stunde lässt er sich von allem was sich bewegt ablenken. Konzentriert sich aber relativ schnell wieder durch gezieltes touchen auf die Arbeit im Labyrinth. Als ein Fahrrad vorbei fährt rennt er schnell nach vorne, so dass Frau Meier fast hinfällt. Seine Atmung wurde wieder schneller. Ich streiche ihn schnell und zügig ab, mache noch Maularbeit, dabei legt er sich hin und ich merke, wie die Atmung wieder ruhiger wird.
Wir machen eine kleine Pause mit Charlie, die ich nutze um Frau Meier TTouch zu übern.
Halti Gewöhnung
Ich schlage vor Charlie an ein Halti zu gewöhnen, damit sie ihn besser und sicherer führen kann. Um Frau Meier zu zeigen, wie das funktioniert, lege ich ihm erst einmal eine dünne weiche grüne Bandage als Beruhigungsband über die Nase. Frau Meier ist überglücklich mit Charlie, sich und dem Training.
Ein halbes Jahr später versuche ich Familie Meier telefonisch zu erreichen, konnte aber nur mit Sohn Stefan sprechen. Dieser bestätigte mir die gute Arbeit an Charlie und das in der Zwischenzeit wie von mir empfohlen, erfolgreich mit dem Halti gearbeitet wird. Auch könne man heute ohne weiteres mit Charlie in die Stadt gehen. Alles in allem ist er viel ruhiger geworden. Das ist ein schöner Erfolg für Alle.
