Meeresschildkröten, diese tief berührenden Tiere, sind mir eine Herzensangelegenheit geworden,
hier in Griechenland. Einmal pro Woche arbeite ich mit Tellington-Touch ehrenamtlich und mit sehr viel Freude im Meeres-Schildkröten-Rescue Center in Glyfada, Nähe Athen.
Im Meeres-Schildkröten-Rescue Center in Glyfada
Werden diese sehr vom Aussterben bedrohten Tiere aufgenommen, wenn sie zum Teil schwer verletzt aufgefunden werden. Die hauptsächlichen Ursachen hierfür sind: Schiffsschrauben (oftmals von speed boats), verschluckte Fischerhaken, in Fischernetzen verfangene, dadurch abgeschnürte Flossen oder auch Verletzungen, die ihnen von Fischern, die sie als Nahrungskonkurrenten sehen, zugefügt werden. An dieser Stelle möchte ich jedoch darauf hinweisen, dass die Aufklärungsarbeit bereits greift, die Fortschritte im Bewusstsein der Menschen sollten ebenfalls erwähnt werden. Es kommt immer wieder vor, dass Fischer verletzte Schildkröten melden bzw. bringen. Aus ganz Griechenland werden Meeres-Schildkröten nach Glyfada gebracht - es ist das einzige "Schildkröten-Krankenhaus" in Griechenland, war das erste in Europa überhaupt und steht unter der Leitung von Pavlo Tsaros.
Ziel des Centers als Artenschutzprojekt ist es natürlich, die Tiere schnellstmöglich gesund zu pflegen, damit sie wieder ausgewildert werden können. Das Meer ist ihr Lebensraum, nicht ein relativ kleiner Wassertank, ihr Krankenbett sozusagen. Sie werden auch "die Nomaden der Meere" genannt und legen im Laufe ihres Lebens viele Zehntausende von Kilometern zurück.
Zwei "Bedingungen" müssen für die Freilassung einer Schildkröte erfüllt werden. Selbständiges Essen - fast alle Tiere stellen das Essen ein, wenn sie verletzt und traumatisiert ins Center kommen. Es dauert in den meisten Fällen Monate oder sogar Jahre, bis sie dies wieder selbständig tun. Bis dahin werden sie mehrmals wöchentlich mit einer Magensonde, gefüllt mit püriertem Fisch, ernährt - sie würden sonst einfach verhungern.
Da sie sich im Meer ihr Futter wieder selbst erjagen müssen, ist es sehr wichtig, dass sie sich selbständig ihre Fischstücke in ihrem Tank suchen und essen. Ebenfalls ist das Tauchen für den Fischfang nötig. Auch das können viele der Tiere oft auf Grund ihrer schweren Verletzungen nicht mehr. Diese turtles haben deshalb aufgeklebte Gewichte am hinteren Teil ihres Panzers, damit ihnen das Wiedererlernen des Tauchens erleichtert wird.
Ermis, mein erster "Fall"
Ermis war die erste Meeres-Schildkröte, die ich berührte, und er war sehr gentleman-like mit mir. Schildkröten haben ganz schön große Schnäbel, auch wenn sie sie Menschen gegenüber nur selten einsetzen.
Der Stand der Dinge, als ich im Juni 2009 das erste Mal ins Center kam: Ermis war zu diesem Zeitpunkt seit ca. einem Dreivierteljahr dort, er wurde gebracht wegen einer Kopfverletzung.
Obwohl seine Verletzung ausgeheilt war und er keine Schwierigkeiten beim Tauchen hatte, war Ermis ein Sorgenkind von Pavlo. Da er extrem zum Verkrampfen neigte und aus diesem Grund nicht selbständig aß, war an sein Auswildern nicht zu denken.
Bei Schildkröten zeigt sich Stress, indem sie die Hinterflossen sehr fest zusammen kneifen, die Vorderflossen sehr verspannt nach vorne und den Kopf nach oben strecken. Wenn Ermis zum Füttern (per Magensonde) oder für die Verabreichung von Medikamenten aus dem Tank herausgeholt und danach wieder hineingesetzt wurde, saß er oft ungewöhnlich lang - viele Stunden - auf genau diese Weise im Wasser seines Tanks. Dieser stand in einem dunklen Waggon, das wirkt auf solch traumatisierte turtles wie ihn beruhigend, dort gehen auch weniger Menschen ein und aus als im großen hell überdachten Raum.
Als zum ersten Mal versucht wurde, ihn als ersten Schritt zur Auswilderung in einen Tank im Hellen zu setzen, reagierte er wieder mit extrem verkrampfter Körperhaltung. Pavlo erzählte mir, dass er einige Tage lang! in dieser Haltung verharrte, obwohl er wieder in den dunklen, ruhigeren Waggon zurückgesetzt wurde.
Arbeit mit TTouch
So stand es um ihn, als ich mit den TTouches begann. Wie er auf Veränderungen reagierte, konnte ich dann selbst feststellen. Als ich ihn das erste Mal aus dem Tank holte und zum TTouchen in die Box setzte, zeigte er all die oben erwähnten Stress-Symptome. Nach ca. einer halben Stunde TTouch entspannte er sich ein wenig, aber als ich ihn wieder zurücksetzte in den Tank, waren diese Reaktionen sofort wieder da.
Umso mehr war ich berührt, dass er sich beim zweiten Mal - eine Woche später - offensichtlich an diese Frau mit den seltsamen Berührungen erinnern konnte, die Wirkung der TTouches auf das Zell- und Nervensystem war schon gespeichert in seinem Körper und Kopf. Das Herausholen aus dem Tank bedeutete noch Stress für ihn, jedoch schon nach ein paar TTouches entspannte er sich spür- und sichtbar.
Unerwartet schnell waren weitere Fortschritte zu sehen. Er verhielt sich bei den nächsten sessions wie ein "alter TTouch-Routinier", sowohl beim Herausholen als auch beim Wiederhineinsetzen in den Tank blieb er entspannt und nach der 5. TTouch-session fing er an, selbständig zu essen! Ich hätte ihn küssen können vor Freude!
Eine Herausforderung für ihn - und für uns! - bedeutete es nochmal, als nächsten und wichtigen Schritt zur Auswilderung zum zweiten Mal zu versuchen, ihn in einen Tank im hellen, mehr frequentierten Raum zu setzen, da dies wie erwähnt beim ersten Versuch unerträglich für ihn gewesen war.
Ich TTouchteihn vorher ein wenig, und als er soweit entspannt war, dass er fast einschlief, fassten wir uns ein Herz und brachten ihn hinüber ins Helle. Zu unserer großen Freude und Erleichterung fing er sofort an, entspannt im Tank herumzupaddeln und sein neues Domizil zu erkunden. Pavlo strahlte und holte gleich die Videokamera, um dies zu dokumentieren.
Ermis' Auswilderung
Dank Tellington-TTouch konnten wir ihn dann im September, um einiges früher als lange Zeit vermutet, freilassen in seine Heimat, das Meer. Es waren sehr bewegende Momente, die kaum in Worte zu fassen sind ... Und ich fühle mich noch immer sehr verbunden mit ihm. Jedes Mal, wenn ich im Meer schwimme, denke ich "irgendwo dort draußen ist ein Freund von mir".
Fotos von Ermis` Auswilderung
Zeit zum Abschiednehmen ... Ich glaube, es steht uns ins Gesicht geschrieben, wieviel Glück es bedeutet, eine Schildkröte wieder freizulassen. Ein letzter Blick von ihm ...
Und hinein in die heimatlichen Fluten!
Pass gut auf dich auf, Ermis ...
Und ja, zum Abschied hab ich ihn geküsst - auf die Stirn.
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Im Rescue Center in Glyfada jedoch arbeiten der dortige Leiter, Pavlo Tsaros, eine Tierärztin und viele "volunteers", Ehrenamtliche aus der ganzen Welt, für die verletzten Schildkröten, für den Arterhalt.
Diese volunteers leisten großartige Arbeit. Sie bleiben zwischen mind. 4 Wochen bis zu einem halben Jahr. Diese Arbeit ist ein wichtiges Standbein des Rescue centers und es werden immer volunteers gesucht - also wenn ihr Interesse habt bzw. jemand möglicherweise Interessierten kennt, meldet euch bei mir oder direkt im center.1 Ein weiteres Anliegen, das mir am Herzen liegt: Ich bin keine "Spendensammlerin", und doch hab ich hier das Bedürfnis, um Unterstützung zu bitten - sie wird dringend benötigt. Man kann eine Patenschaft für eine Schildkröte übernehmen, man kann auch mit kleinen Summen schon sehr hilfreich sein, mit monatlichen 5 oder 10 Euro oder auch einer einmaligen Spende können schon Schildkrötenfutter (überwiegend Fisch) und notwendige Medikamente gekauft werden - oder u.U. sogar ein Sender für eine ausgewilderte Schildkröte, um dadurch sowohl ihren weiteren Werdegang zu beobachten als auch sehr nützliche Erkenntnisse und Informationen für den Fortbestand dieser unglaublich alten Art zu gewinnen. Schildkröten gibt es seit 200 Millionen Jahren auf der Erde, sie haben selbst die Dinosaurier überlebt und sie sollten die Chance zum Arterhalt erhalten ... Es würde etwas fehlen ohne sie.
- 1. Informationen zu ARCHELON, der Artenschutz-Organisation, die Camps über ganz Griechenland verteilt gegründet hat www.archelon.gr (englische Übersetzung anklicken, Seiten auf deutsch demnächst, sind in Arbeit) und speziell über das Rescue Center: http://www.archelon.gr/eng/pedio_rescue.php?row=row5.


