Fallgeschichte "Komaila"
"Komaila" ist eine 17 Jahre alte Vollblutaraberstute, Stockmass ca.1,40 m. Ich bekam sie im Dezember 2001 vererbt, als ihr Onkel aus Altersgründen eingeschläfert werden musste und sie allein übrig blieb.
Vorgeschichte
Der Umzug zu uns verlief hektisch, da Komailas Stallgefährte eines Morgens eingeschläfert werden musste. Sie war sehr allein, hektisch und aufgeregt als sie bei uns ankam. In Gesellschaft der anderen Pferde wurde sie etwas ruhiger, wirkte aber zunehmend abwesend und traurig. Bei Geräuschen erschrak sie furchtbar und sprang nach vorne, ohne Menschen, Pferde oder sonstige Absperrungen wahrzunehmen. Anbinden war nicht möglich, da sie sich beim geringsten Geräusch erschreckte und sich ins Halfter hängte. Ich musste sehr aufpassen, dass sie sich und uns nicht verletzte.
Beschreibung der Arbeit mit Komaila
Um ihr Sicherheit zu geben, begann ich mit meiner Reitbeteiligung Nicole, Komaila in der Brieftauben zu führen, Bodenarbeit zu machen, durch Abstreichen mit der Gerte wollten wir ihr Körpergefühl verbessern, ihr Selbstvertrauen und Selbstbeherrschung, vor allem aber Vertrauen zu stärken. Wir übten dann im eleganten Elefant und Dingo Antreten und Anhalten, und, da Komaila immer mit hohem Kopf und weggedrücktem Rücken lief, das Signal zum Kopfsenken. Wir haben dabei alle drei tief und gleichmäßig atmen gelernt.
Wir übten das Anbinden
mit "den Tiger zähmen" und machten viel, viel Körperarbeit: Noahs Marsch, Waschbär-TTouch um Augen und Ohren, Pythonheber an den Beinen um sie zu erden, die Perlenkette am Schweif, um ihr ihren gesamten Körper bewusst zu machen. Dann das Gleiten an den Schweifhaaren entlang, um Komaila zu beruhigen und den ganzen Körper zu entspannen und zur Vorbereitung auf das sanfte Schweifkreisen. Rücken und Hinterhand waren sehr fest, so dass wir mit liegender Leopard-Touches mit Qualle über den gesamten Rücken und Hinterhand arbeiteten, um Wärme und Entspannung und Gefühl hineinzukriegen.
Um ihr Selbstbewusstsein zu stärken und ihr die Eingewöhnung in die neue Herde zu erleichtern, arbeitete ich mit verbundenen Wolkenleopard-Touches an der Hinterhand, den "Hosen" und den Innenseiten der Oberschenkel. Später kamen winzige Beinkreise dazu, denn es war sehr schwierig für Komaila, auf drei Beinen zu balancieren und ihre Beine waren sehr steif und unbeweglich. Auch das Lecken der Kuhzunge machten wir, um die Verbindung herzustellen zwischen Bauch und Rücken bis zur Hinterhand und um Rücken und Bauch auf das Tragen des Sattels vorzubereiten.
Bei der Bodenarbeit ließ ich Komaila eine Körperbandage tragen, damit sie immer wieder ihre Hinterhand spüren konnte. Ihr Kopf kam dadurch tiefer, sie konnte besser atmen, der Rücken entspannte sich und ihr Gang wurde sichtbar geschmeidiger. Sie konnte besser auf die Signale zum Halten reagieren. Komaila wurde homöopathisch gegen ihr Heimweh und ihre Abwesenheit behandelt.
Große Probleme hatte Komaila immer noch bei Geräuschen, die von hinten kamen. Deshalb bereiteten wir sie auf das Fahren vom Boden vor, damit sie lernte sich umzudrehen und zu schauen statt kopflos loszustürmen. Dazu ließ ich Komaila von Nicole führen, wanderte hinter ihr her, ließ sie auf mein Stimmsignal mit Nicoles Unterstützung anhalten und fütterte sie beim Halten von hinten. Über die Körperbandage und das "Schweineschwänzchen" machte ich die Stute erst mit einem, dann mit beiden Seilen bekannt und konnte schneller als ich gedacht hatte - wieder mit Nicoles Unterstützung von vorne - mit dem "Brustfahren" beginnen. Es zeigte sich, dass Komaila daran viel Freude hatte. Sie arbeitete konzentriert und begeistert mit, so dass wir begannen sie mit vier Leinen über Bodenhindernisse zu fahren.
Das Resultat
Spannend war es als wir das erste Mal das Gartentor passierten. Dort und in allen anderen Engstellen hatte Komaila die größten Probleme und pflegte nach anfänglichem Zögern mit einem Satz durchzurasen, und hatte mich dabei des öfteren fast umgesprungen oder sich in der Enge verletzt. Mit den vier Leinen gefahren von hinten konnte die Stute ohne Unruhe im ruhigen zügigen Schritt durchs Tor gehen, das war ein toller Erfolg. Später übten wir mit halben Schritten die Stelle zu meistern und auch mal im Tor stehen zu bleiben. All das ging problemlos, Komaila konnte gut atmen, ließ den Kopf fallen und hatte keine Angst.
Bemerkenswert ist, dass wir Komaila von da an ohne Probleme durch Engstellen u.ä. führen können, ohne dass sie uns je wieder umgesprungen hat. Sie hat diese Möglichkeit zu warten, schauen, überlegen und dann handeln statt wie gewohnt zu reagieren so schnell wahrgenommen, dass ich selbst überrascht war.
Im Herbst 2002 nahm ich mit ihr an einem Orientierungsritt mit anschließendem Geschicklichkeitsparcours teil und Komaila konnte all die ungewohnten Hindernisse (Flattertor, Klappersack, rollender Ball, Regenschirm und Rasensprenger) meistern.
