FG Pferd Svartur steigt (von Doris Zabrocki, TTEAM-Practitioner und IPZV Trainer C)
Vorgeschichte
Über Svartur wurde mir berichtet, dass er als Jungpferd nicht gründlich ausgebildet worden ist. Verschiedene Menschen haben mit ihm gearbeitet, aber wohl niemand durchgängig und konsequent. Vermutlich wurde er als junges Pferd auch vorübergehend in der Reitschule eingesetzt. Vor etwa zwei Jahren hat ihn dann seine heutige Besitzerin, ein 16jähriges Mädchen, gekauft. Sie hatte in der bisherigen gemeinsamen Zeit nahezu durchgängig Probleme mit dem Pferd. Er steigt beim Aufsteigen und beim Reiten, oftmals unerwartet, was auch zum einen oder anderen Sturz führte. Außerdem rennt er gelegentlich unkontrolliert los, vor allem, wenn andere Pferde in der Nähe sind und sich in höheren Gangarten bewegen.
TTEAM-Arbeit
Am ersten Tag habe ich mit Lamaseil und weißer Gerte sozusagen von vorne angefangen. Svartur zeigt sich insgesamt misstrauisch, hält den Kopf hoch und verfolgt mein Tun mit Skepsis. Er zeigt Angst vor der Gerte, ich spüre Spannungen in ganzen Körper. Beim Führen bleibt er stehen, weicht nach hinten aus, zeigt Ansätze zum Steigen. Er macht den Eindruck, als verstehe er nicht, was er eigentlich tun soll. Er ist unsicher und verschlossen. Zunächst habe ich also versucht, Svartur die weiße Gerte näher zu bringen. Schon am zweiten Tag macht er einen deutlichen Unterschied zu anderen Gerten und läßt sich mit der weißen Gerte am ganzen Körper abstreichen. Bei dunklen Gerten hielt seine Skepsis noch eine zeitlang an, inzwischen kann ich ihn aber auch damit abstreichen. Ausgestattet mit Lamaseil (später z.T. auch mit Führkette) habe ich zunächst versucht, im Elefanten zu führen. Wenn er so gar nicht weiter gehen wollte, hat sich der Dingo als sehr hilfreich erwiesen. Ich arbeitete Svartur im Labyrinth und mit Planen, was er sehr interessiert aufgenommen hat. Hier zeigt er sich neugierig und aufgeschlossen und war sehr bemüht, alles richtig zu machen. Wir haben das Kopfsenken geübt, was er schnell verstand und für sich entdeckte. Im Labyrinth senkte er beim Anhalten schnell von alleine den Kopf. Auffällig war, dass Svartur immer langsamer wurde. Ich hatte den Eindruck, dass er über jeden Schritt intensiv und gründlich nachdachte, auch außerhalb des Labyrinths, wie z.B. auf der Stallgasse. Offensichtlich hatte er eine neue Bewusstheit in seiner Bewegung entdeckt. Begleitend zur Führarbeit habe ich Svartur auch verschiedene TTouches angeboten. Das Lecken der Kuhzunge hat er sichtlich genossen. Bei verbundenen Wolken-Leoparden über seinen gesamten Körper reagierte er sehr differenziert, hat sich gleich weggedreht, wenn ich selber nicht balanciert und bei ihm war.
Ergebnis
Inzwischen kann die Besitzerin problemlos aufsteigen, wenn sie vorher Kopfsenken macht. Auch beim Reiten hält Svartur seinen Kopf in angenehmer Position, sieht zufriedener aus und zeigt momentan keine Anzeichen mehr zum Steigen oder unkontrollierten Losrennen.
Doris Zabrocki
