Text: Violetta Berger (Practitioner Pferd)
Vielleicht haben Sie es auch schon mal gesehen, bei einer Demo, im Fernsehen, in einem Buch oder in natura, ein Pferd, das aussieht, als hätte man es als Geschenk verpackt. Mit bunten Bändern, die sich bei näherem Hinsehen als elastische Bandagen für Pferdebeine entpuppen, sind sie umwickelt, vielleicht mit einem netten Schleifchen zusammen gebunden. Linda Tellington-Jones entwickelte dieses „Körperband“ oder die „Körperbandage“ im Rahmen der Tellington-Methode.
Wie geht es?
Die unbedingt elastische Bandage wird dabei locker um den Körper des Pferdes gelegt. Mit dem festen Wickeln am Pferdebein hat das nichts gemeinsam. Es soll sich für die Pferde angenehm anfühlen, so wie ein bequemes Kleidungsstück, das man gerne anhat.
Die Bilder 1 und 2 zeigen zwei Varianten, die häufig benutzt werden.
Wie wirkt das Körperband?
Der Effekt dieser Bandagen ist, dass die Pferde ihren Körper spüren. Sie fühlen die Bandage bei jeder Bewegung und erhalten so eine Rückmeldung über ihren Körper. Viele Pferde haben keine Ahnung, wie lang oder breit sie sind, und dass sie hinten auch Beine haben ist ihnen völlig unbekannt. Der Reiter hat dann das Gefühl, das Pferd wäre zweigeteilt und die vordere und hintere Hälfte würden nicht zusammen arbeiten.
Solche Pferde „schreien“ geradezu nach einem Körperband genau wie alle Pferde, die hinten schlurfen, nicht gut untertreten, Angst vor Dingen von hinten haben, beim Reiten „auseinander fallen“ usw.
Alle Pferde profitieren von der Arbeit mit dem Körperband, auch wenn sie keine gravierenden Probleme haben. In jedem Fall erlangen sie ein besseres Körpergefühl. Das wiederum verhilft ihnen zu mehr Selbstbewusstsein, Selbstkontrolle, mehr Balance und Ausdruck.
Der Selbstversuch
Wer Zweifel hat, kann es einmal an sich selbst testen. Einfach unter der Kleidung an Brust und Rücken ein Körperband anbringen, und spüren, wie sich die Aufmerksamkeit für den Körper und die Körperhaltung dadurch ändert.
Vielleicht tragen sie ja auch manchmal ungewohnte Kleidung. Wer normalerweise in Jeans und Pulli rumläuft und nur zweimal im Jahr ein Ballkleid trägt, wird auch dabei ein anderes Körpergefühl haben. Man spürt das Kleid bei jeder Bewegung.
Welche Bandagen benutzt man?
Das Körperband ist in seiner Idee und der Anwendung ganz einfach. Es kostet nicht viel, die meisten Reiter werden sowieso elastische Bandagen für die Pferdebeine haben. Wenn nicht, sind sie in jedem Reitsportgeschäft oder Versandhandel für kleines Geld erhältlich. Wichtig ist, das sie so elastisch wie möglich sind und nicht zu schmal. Woll- oder Fleecebandagen eignen sich nicht.
Wie geht es?
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie und wo man Körperbänder beim Pferd einsetzen kann.
Die Fotos 1 und 2 zeigen Standardversionen, die ein gutes Ganzkörpergefühl geben, und vor allem die Hinterhand mit einbeziehen.
Foto 1 zeigt die „Acht“. Hierzu knoten sie je nach Pferdegröße 2 – 3 Bandagen zusammen. Sie legen die Bandage um die Brust des Pferdes, über den Widerrist und um die Hinterhand. Kreuzungspunkt ist am Widerrist. Hier sollte allerdings nicht der Knoten sein. Achten sie darauf, dass die Bandage möglichst flach anliegt, nicht mehrfach verdreht.
Der Knoten sollte ein Sicherheitsknoten (Schlaufenknoten) sein, den man im Notfall schnell lösen kann.
Foto zwei zeigt eine andere Möglichkeit, bei der vor allem der seitliche Verlauf der Bandage anders ist. Hierfür wird zunächst eine Bandage um den Hals geknotet. Die zweite wird dann seitlich an dieser befestigt, um die Hinterhand geführt und an der anderen Seite auf der gleichen Höhe befestigt.
Wann und wie setzt man das Körperband beim Pferd ein?
Bei vielen Pferden ist auch eine Bandage in der Gurtlage sinnvoll, z.B. zur Vorbereitung von Jungpferden auf das Gurten, bei Pferden mit Gurtzwang, schlechter Atmung... (Foto 3)
Kopfbandagen (Foto 4)FOTO FEHLT haben sich bewährt für Pferde, die beißen und/oder bei der Arbeit ständig die Ohren anlegen. Oft haben sie sich diese Verhaltensweisen angewöhnt, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben. Kommen sie dann in bessere Hände, legen manche Pferde solche Angewohnheiten nicht ab, obwohl sie augenscheinlich keinen Grund mehr dazu haben. Das Verhalten hat sich verselbständigt, das Pferd ist sich dessen nicht mehr bewusst. Das Körperband bringt das Bewusstsein zurück und gibt damit die Chance, das Verhalten abzulegen. Unterstützt werden kann das durch den TTouch (v.a. Maularbeit).
Natürlich ist es ideal, mit den Körperbändern Bodenarbeit zu machen, aber es gibt auch andere Möglichkeiten. Sie können damit auch jede andere Art von Bodenarbeit machen oder einfach spazieren gehen. Auch longieren ist möglich und sinnvoll. Das Körperband um die Hinterhand ist übrigens auch eine gute und schonende Methode, das Pferd auf die Doppellonge vorzubereiten.
Was muss ich beachten?
Lassen Sie Ihr Pferd auf keinem Fall mit dem Körperband unbeaufsichtigt (Hängenbleiben, Herunterrutschen).
Beim ersten Anlegen der Bandage sollten sie ihr Pferd genau beobachten und vorsichtig an der Hinterhand sein. Manche Pferde akzeptieren am Anfang die Bandage an der Hinterhand nicht. Sie fürchten sich. Eventuell sind weitere Maßnahmen/Zwischenschritte nötig. Im Zweifelsfall wenden sie sich an einen TTeam-Practitioner in ihrer Nähe. Gerade Pferde, die Schwierigkeiten machen beim Anlegen der Bandage profitieren später am meisten davon.
Es lohnt sich also, hier nicht direkt aufzugeben.
Reiten mit Körperband
Man kann mit dem Körperband auch reiten. Z.B. kann man die „Acht“ auch über den Sattel legen oder, wenn es überwiegend um die Hinterhand geht, auch nur eine Bandage an den Gurtstrupfen oder Ösen befestigen (Foto 5) und um die Hinterhand führen. In jedem Fall müssen Sie das Pferd vor dem Aufsteigen im Schritt und Trab führen, um sicherzustellen, dass es nicht plötzlich „explodiert“ oder buckelt, wenn es mit der ungewohnten Berührung in der Bewegung konfrontiert wird.
Viele Pferdebesitzer, die am Boden keine Veränderung ihres Pferdes durch das Körperband bemerken konnten, spüren beim Reiten deutlich, dass das Pferd z.B. den Rücken mehr wölbt, das Becken mehr abkippt, energischer abfußt oder besser untertritt.
Probieren Sie es einfach mal aus und lassen Sie sich überraschen. Jedes Pferd reagiert anders, aber alle lernen etwas über ihren Körper.
Die Wirkung des Körperbands auf die Psyche
Neben den Verbesserungen in Gang oder Fleiß des Pferdes hat die Bandage auch eine Wirkung auf die Psyche des Pferdes. Sie gibt innere Stabilität und Sicherheit. Daher machen wir Bodenarbeit mit Jungpferden immer mit Körperband.
Pferde, die sich z.B. im Gelände aufregen, profitieren davon, weil sie ihren Körper spüren und daher nicht so schnell „außer sich“ geraten bzw. schneller wieder unter Kontrolle kommen. Pferde, die „kopflos“ reagieren, haben immer den Kontakt zum eigenen Körper verloren. Daher hilft in solchen Situationen auch das Abstreichen mit der Gerte oder der TTouch (kann teilweise auch vom Sattel aus angewendet werden.)
Körperband beim Verladetraining
Eine andere Situation, in der wir TT.E.A.M.-Practitioner immer mit dem Ganzkörperband (Bild 1 oder 2) arbeiten, ist das Verladen von Pferden, die das noch nicht kennen oder Verladeschwierigkeiten haben.
Das Pferd ist von Natur aus an Weite gewöhnt. Enge, wie in einem Hänger, ist ihnen fremd. Daher können viele Pferde auch nicht abschätzen, ob sie auch tatsächlich in den Hänger hineinpassen.
Das Körperband hilft ihnen dabei, ihre Körpermaße richtig abschätzen zu können und nirgendwo anzuecken (genauso hilfreich beim Passieren von Engstellen, Türen, Fresständern etc.). Außerdem beruhigt es sie, und ein besseres Körpergefühl ist wichtig für das „Rangieren“ auf der Rampe.
Es gibt unzählige Einsatzmöglichkeiten und Arten, wie man ein Körperband befestigen kann. Mit wenig Aufwand kann man hiermit sehr viel erreichen.
Häufigkeit der Anwendung
Wie oft man die Bandage anlegen sollte, ist sehr verschieden und muss individuell entschieden werden. Auf jeden Fall soll man jetzt natürlich nicht immer damit reiten oder spazieren gehen. Es erfolgt ein Lerneffekt, der dann zu einer anhaltenden Verbesserung führen sollte. Das kann im Extremfall schon durch einmalige Anwendung passieren. Normalerweise wird man aber einige Male mit dem Körperband reiten, verladen, Bodenarbeit machen usw.
In schwierigen Fällen, wo körperliche Probleme mit im Spiel sind, kann es auch sinnvoll sein, das Körperband über einen längeren Zeitraum zu benutzen oder regelmäßig immer wieder.
Eine gelegentliche Auffrischung ist jedenfalls für alle Pferde sinnvoll.
Natürlich kann das Körperband keine körperlichen Defizite, Krankheiten des Bewegungsapparats etc. beseitigen. Auch bei einem unpassenden Sattel oder nicht pferdegerechtem Reiten führt das Körperband nicht zu einem locker über den Rücken gehenden Pferd. Hier müssen erst die Ursachen abgestellt werden. Danach hilft das Körperband aber dem Pferd, sein Potential wieder bald ganz ausschöpfen zu können.
Wenn Sie keine Wunder erwarten, aber bereit sind, genau hinzusehen und zu spüren, werden Sie überraschende Veränderungen bei Ihrem Pferd erleben.
Seien Sie gewappnet gegen die Sprüche Ihrer Mitreiter – willst Du den verschenken? – und lassen Sie sich diese einfach geniale Möglichkeit, Ihr Pferd entscheidend zu verbessern nicht entgehen.




