TTeam-Arbeit mit Barbara und Lucy
Lucy ist 6jährige Freibergerstute und steht zurzeit in einem klassischen Dressurstall, wo die Bereiter mit ihr arbeiten. Die 46-jährige Besitzerin Barbara hat die Stute von ihrem verstorbenen Vater geerbt und möchte reiten lernen. Weil sie etwas unsicher ist, hat sie sich eine Reitlehrerin gesucht, die Centered Riding anbietet. Barbara erzählt mir, dass Lucy zurzeit im Beritt Probleme macht und ich habe ihr angeboten, mit Lucy zu arbeiten.
Was ich vorfand
Als ich sie kennenlerne, ist Lucy von den Bereitern kaum noch lenkbar und der Tierarzt hat ihr die Diagnose Headshaker-Syndrom gegeben. Beim Abstreichen fühle ich eine sehr starke Halsmuskulatur und einen harten Rumpf. Lucy hat eine ausgeprägte Sattellage. Beim Übergang Brust- Lendenwirbel und auf dem Kreuzbein spüre ich je eine Verhärtung. Die Kruppe ist stark abfallend, der Schweif eingeklemmt.
Der erste Termin
Mit Muschel-TTouches, Pythonhebern und Bauchheben gelingt es mir, den Rumpf wieder zu mehr Leben zu erwecken. Den Hals löse ich mit Pythonhebern und Wolkenleoparden. Auf Maularbeit reagiert Lucy zuerst mit Verunsicherung. Nach einer Weile kann sie es jedoch gut zulassen. Bis sie den Schweif locker läst, vergehen jedoch mehrere Termine.
In der Bodenarbeit beginnen wir im Dingo und wechseln dann in den Delfin, um ihr viel Raum zu lassen. Wenn man normal neben ihr hergeht, klebt sie mit der Nase regelrecht am Führenden. Zusätzlich empfehle ich Barbara, eine Kopfmaske zu kaufen und Lucy während der heißen und fliegenreichen Zeit nicht mehr ohne diese aus dem Stall zu nehmen.
Spazieren im Wald (mit Kopfschutz und Körperband)
In den nächsten drei Wochen bleibe ich weitestgehend bei diesem TTouch-Programm, nehme noch das Schulterlösen und Beinkreisen dazu. Die Maularbeit liebt Lucy immer mehr, die Schweifarbeit bleibt schwierig. Außerdem gehen wir draußen spazieren – ab und zu mit der Körperbandage – und machen Bodenarbeit.
Als sich der untere Teil der Maske einmal löste, begann Lucy sofort mit dem Kopf zu schlagen. Dies bestätigt für mich die Theorie, dass Headshaker sich gerne mit der Nüster an etwas „anlehnen“ und dies ihnen den Reiz zum Kopfschlagen nimmt.
Was sich verändert
Von der rechten Seite geführt sucht Lucy wieder vermehrt die Nähe des Führers. Sie lässt sich aber leicht korrigieren. Die Hinterhand wird aktiver, der ganze Körper lebendiger, der Schweif locker. Und vor allem: Sie zeigt kein Kopfschlagen mehr!
Sie kann wieder geritten werden (mit einer Körperbandage am Sattelgurt befestigt und mit Balanceseil), in der Halle wie im Gelände.
Fallgeschichte von Brigitte Binggeli, Kontakt: www.bernerschachen.ch
