Auftrensen / Aufhalftern
Warum nur?
Viele Pferde, egal ob kopfscheu oder nicht, lassen sich nicht gerne zäumen. Sie reissen den Kopf hoch, versuchen wegzulaufen oder nehmen das Mundstück nicht.
Wichtig:
Zu allererst lasse ich überprüfen, ob das Pferd nicht Schmerzen (z.B. Zahnprobleme) hat und sich deswegen wehrt.
Des weiteren sollte es selbstverständlich sein, so zu reiten, dass das Pferd keinen Grund hat, sich vor dem Zaum und dem Mundstück zu fürchten.
Was hilft?
Kopfsenken:
Eine hohe Kopfhaltung bei Pferden deutet oft auf einen ausgeprägten Fluchtreflex hin. Die Tellington-Arbeit lehrt deswegen zu Beginn, den Kopf des Pferdes tiefer einzustellen. Dies reduziert die Anspannung, den Widerstand und den Fluchtreflex und macht die Pferde sicherer, willig und beruhigt nervöse Pferde. Eine tiefe Kopfhaltung bedeutet für das Pferd fressen, entspannen, schlafen. Das Tiefereinstellen des Kopfes kann man in der Box oder im Freien machen. Ich verwende dafür eine Führkette und eine Gerte. Die Gerte ist am besten weiss (weil das Pferd sie so besser sieht), relativ starr und 120 cm lang.
In leicht seitlicher Position neben dem Pferd kauernd (bei sehr nervösen Pferden aus Sicherheitsgründen stehend), streicht man nun mit der Gerte den Hals, Brust und Beine des Pferdes ab und fordert das Pferd mit leichtem Zug an der Kette auf, den Kopf zu senken. Das Abstreichen mit der Gerte signalisiert dem Pferd, tief zu atmen und den Hals fallen zu lassen.
Eine zweite Möglichkeit ist, dass man mit der einen Hand das Genick des Pferdes mit sanftem Druck hinuntermassiert, während die zweite Hand am Nasenstück des Halfters einen impulsartigen, leichten Abwärtsdruck ausübt und dabei den Kopf langsam hin und her bewegt.
Die tiefe Kopfhaltung ermöglicht eine Entspannung und eine Streckung der Muskeln in Hals, Rücken und Becken. Diese Übung überwindet den Kampf- oder Fluchtreflex und unterstützt die Lockerung des Pferdes.
Maularbeit:
Voraussetzungen für die Maularbeit ist, dass das Pferd gelernt hat, ruhig zu stehen und den Kopf zu senken. Wir stehen seitlich zum Pferd und halten dessen Kopf leicht mit der Hand am Halfter. Durch Abstreichen bereiten wir die Maul- und Nüsterngegend auf die eigentliche Maularbeit vor. Die Nüstern des Pferdes können sehr beweglich sein. Somit ist es möglich, mit Damen und Zeigefinger den Nüsternrand zu fassen, kreisende Bewegungen zu machen und ihn so auch nach aussen zu öffnen. Für die eigentliche Maularbeit umfassen wir die Oberlippe und machen mit ihr kreisende Bewegungen. Die Unterlippe passt meist genau in unsere Handfläche und lässt sich so sanft kreisend bewegen Ist ein Pferd ist am Anfang verunsichert und versucht den Kopf hochzunehmen, folgen wir seinen Bewegungen so gut es geht und führen seinen Kopf mit der Hand am Halfter immer wieder nach unten. Versuchten wir, es in dieser Situation festzuhalten, würde es uns das Halfter aus der Hand reissen (Druck erzeugt Gegendruck!). Um in das Maul zu gelangen, schieben wir unsere Hand vorsichtig vom Maulwinkel her unter die Oberlippe und fahren auf dem Zahnfleisch hin und her. An der Innenseite der Unterlippe können wir mit dem Daumen kleine Kreise machen. Bei einem trockenen Maul empfiehlt es sich, die Hand nass zu machen. Zum Abschluss streichen wir ruhig über Maul und Nüstern des Pferdes.
Ohr-TTouch:
Für die Ohrenarbeit stehen wir vor dem Pferd. Die eine Hand liegt locker auf dem Halfter und sorgt für das Gleichgewicht am Pferdekopf, während die andere Hand sanft das Pferdeohr umfasst und langsam von der Basis bis zur Spitze der Ohren streicht. Dieses Streichen wird wiederholt und dabei das Ohr in verschiedene Richtungen gehalten. Ist ein Pferd sehr empfindlich an den Ohren, so kann es zuerst rund um die Ohren abgestrichen oder getoucht werden. Oft hilft es auch, Haare von der Mähne oder dem Schopf zu nehmen und die Ohren damit abzustreichen. Viele Pferde, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, fürchten sich davor, festgehalten zu werden. Berührungen mit dem Handrücken an Stelle der Handinnenfläche wirken weniger bedrohlich.
Ist das Pferd so weit auf Berührungen am Kopf vorbereitet und steht ruhig mit gesenktem Kopf da, benutze ich am Anfang gerne ein Seil, das ich dem Pferd um den Hals lege und um den Kopf knüpfe. Erst wenn es das problemlos ohne Angst zu bekommen oder sich aufzuregen akzeptiert, arbeite ich mit Halfter und Zaum weiter.
Selbsterfahrung
Ziehen Sie sich mal selber ein kleines Halfter an und lassen sich führen. Danach wissen Sie, wie es sich anfühlt, am Kopf durch die Gegend gezogen zu werden.
Text von TTEAM Instruktorin Lily Merklin
