Die Naturwissenschaft zur Erfassung der Wirklichkeit
In dem Buch Zellgeflüster habe ich folgende Parabel gefunden: „ein Ichthyologe- ein Fischkundiger- betreibt Fischfang mit einem Netz von fünf Zentimetern Maschenweite. Seine wissenschaftliche Arbeit besteht darin, jeden einzelnen gefangenen Fisch zu vermessen. Nach unzähligen Versuchen postuliert er als wissenschaftliches Gesetz: alle Fische sind größer als fünf Zentimeter. Sein Gesetz ist unanfechtbar, weil es jederzeit reproduizert werden kann. Trotzdem regt sich Widerspruch und ein Metaphysiker sagt zu ihm: “Das Gesetz stimmt nicht. Das Meer umfasst bedeutend mehr Fische , weil all jene hinzukommen, die durch das Netz geschlüpft sind.“ Darauf antwortet der Ichthyologe: “Doch das Gesetz stimmt. Was ich nicht fangen kann ist kein Fisch. Es ist kein Objekt von der Art, wie ein Fisch in der Fischkunde definiert wird. “Natürlich besteht zwischen beiden Behauptungen kein prinzipieller Widerspruch, beide Wissenschaftler urteilen nur von unterschiedlichen Standpunkten aus. Diese Parabel wird vom Quantenphysiker Hans-Peter dürr oft zitiert. Sie veranschaulicht seine Grundthese, die Naturwissenschaften könnten zwar immer raffiniertere Netze zur Erfassung der Wirklichkeit entwickeln, doch würden sie diese nie vollständig erklären können, weil jede Beobachtung und jede wissenschaftliche Aussage durch Messmethoden und unsere analytische Art zu denken begrenzt ist.
In diesem Sinne möchte ich im Folgenden darauf eingeben, wie weit wir mit dem Weben des wissenschaftlichen Netzes im Bezug auf die Wirkung von TTouch gekommen sind, wie wir in den kommenden Jahren die Maschen verkleinern können und was weiter durch die Maschen gleiten wird.
Forschung über den TTouch
Früher wollte ich unbedingt beweisen, DASS TTouch wirkt. Heute bin ich der Meinung, dass wir so viele Fälle kennen, die dies untermauern, dass für mich die Frage: „WIE wirkt es?“ in den Mittelpunkt gerückt ist. Da wir immer noch sehr wenig Forschung über TTouch, müssen wir uns hierbei auch Bezug nehmen auf Forschungsergebnisse aus anderen Bereichen.
Die verschiedenen Wirkebenen des TTouch
Meiner Meinung nach wirkt TTouch hauptsächlich auf 3 Ebenen:
-Dem Gehirn-
-Dem vegatativen Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus)
-Den (Körper-)zellen
Alle Wirkebenen hängen zusammen, werden aber aus didaktischen Gründen von mir einzeln besprochen.
TTouch und das Gehirn
Eine der ältesten Versuchsreihen zur Wirkung von TTouch wurde von Anna Wise durchgeführt. Sie maß mit Hilfe des sogenannten „Mind Mirrow“ die Veränderungen der Gehirnwellen beim TTouchen. Sie stellte fest, dass bei Kurseilnehmern, die an einem einwöchigen TTouch-Kurs mit Pferden teilgenommen hatten, während des TTouchens alle 4 Hirnwellen (alpha, beta, Delta und theta) gleichzeitig nachzuweisen waren. Ebenso zeigte sich bei den getouchten Pferden eine Veränderung des Gehirnwellenmusters. Dieses war während Linda das Pferd ttouchte phasenweise spiegelbildlich zu ihrem Muster. Wenn auch die Zahl der untersuchten Personen zu klein war, um sichere Aussagen über die Einflüsse des TTouch auf die Gehirnwellen machen zu können, so zeigen die Ergebnisse doch, dass wir als Arbeitshypthese davon ausgehen können, dass der TTouch die Gehirnwellen dahingehend verändert, dass ein für das Lernen günstiges Muster entsteht. Während in den 80er Jahren noch völlig unklar war, wie es dazu kommen kann, dass ein Pferd und ein Mensch während des TTouches gleiche Gehirnwellenmuster ausbilden, wissen wir inzwischen, dass es im Gehirn von Menschen und anderen sozial lebenden Säugetieren (evtl. auch bei anderen Tierarten) Gruppen von Nervenzellen gibt, deren Aufgabe es ist, Verhaltensweisen und Emotionen eines gegenüber zu spiegeln (d.h. ein neuronales Erregungsmuster abzuspielen, als ob der Beobachter selber handeln würde). Dies ist wahrscheinlich das neurologische Korrelat des „Mitfühlens“. Zusätzlich ergaben Forschungen, dass das Gehirn ein elektromagnetisches Feld produziert, dass auch noch mit einigem Abstand (bis zu 2 Meter) vom Gehirn des Gegenüber wahrgenommen werden kann. Somit sind 2 Mechanismen der Übertragung von Gehirnwellen gekannt: Durch Beobachtung, d. h. Sehen und anschließende Verarbeitung und 2. durch direkte elektromagnetische Übertragung.
Die Ergebnisse von Anna Wise regten zu weiteren Untersuchungen an. Maria Röder führte sehr sorgfältig EEG-Messungen bei Pferden während des TTouchens durch einen TTEAM-Practitoner durch. Leider ist die EEG-Auswertung bei Pferden durch die großen Knochenmassen am Kopf sehr erschwert.
Robin Bernhard führte mit einer etwas anderen Methodik als Maria Röder EEG-Messungen an einem Pferd vor und während des Abstreichens mit der Gerte durch. Sie kam zu dem Ergebnis, dass das beim Abstreichen erzeugte Gehirnwellenmuster bei DIESER Stute eine ruhige Aufmerksamkeit und einen klaren Focus anzeigte. Die Ergebnisse bei ihrem Pferd ermunterten Robin Bernhard zu weiteren Messungen am Menschen. Diese wurden im Rahmen der 30-Jahr-Feier in Arizona an fünf Practitonern durchgeführt. Es wurde während der Ausführung von Wolkenleopard-TTouches und des „Heart Hug“ an sich selber gemessen.
Bei beiden TTouches nahm die Balance der Gehirnwellen zwischen beiden Hemisphären zu. Außerdem kam es zu einer Beruhigung überaktiver Gehirnbereiche, so dass ähnlich wie bei dem gemessenen Pferd ein stabiles Muster ruhiger Aufmerksamkeit entstand. Beide TTouches zeigten Unterschiede bezüglich der Gehirnwellenmuster in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns, auf die hier nicht im Detail eingegangen werden soll. Vereinfacht gesagt, scheint der Heart Hug durch eine Verbesserung der Herzkohärenz, auf die im folgenden noch eingegangen werden soll, insbesondere die Temporallappen des Gehirns noch deutlicher zu beeinflussen als der Wolkenleopard-TTouch.
Bisher erfolgten Untersuchungen zeigen, dass die genauere Erforschung der Veränderungen der Gehirnwellenmuster beim TTouchen wahrscheinlich viele Fragen zur Wirkung der Methode beantworten könnten. Dabei erscheinen Untersuchungen am Menschen besonders vielversprechend, da das menschliche EEG gut erforscht, relativ einfach zu messen und mit subjektiven Empfindungen der untersuchten Personen während des TTouchens verglichen werden kann.
Vegetatives Nervensystem
Dieses besteht etwas vereinfacht aus zwei gegenläufigen Anteilen: dem Symphatikus und dem Parasymphatikus. Beide steuern gemeinsam unbewusste und vom Willen nur eingeschränkt beeinflussbare innere Lebensvorgänge und deren Anpassung an die Umwelt. Heutzutage wird der Symphatikus gerne als „Bösewicht“ betrachtet, der beruhigt werden muß. Diese Sichtweise ist zu einseitig. Für Leben und Gesundheit ist ein dynamisches Gleichgewicht zwischen beiden Teilen des vegetativen Nervensystems notwendig. Der Sympathikus ist vereinfacht für „fight or flight“-Reflexe, als akut viel (Bewegungs-)energie und weniger das Nachdenken erfordernde Reaktionen zuständig, der Parasymphatikus für das anschließende „rest and digest“. Leider ist es sowohl im Leben unserer Tiere als auch in unserem Leben häufig so, dass es zu einer zu häufigen oder zu starken Aktivierung des Symphatikus ohne einen entsprechenden Ausgleich kommt. Dies kann zu zahlreichen Erkrankungen führen, die mit der Wirkung des Sympathikus im Zusammenhang stehen, beim Menschen z. b. Herzinfakt und Bluthochdruck, bei Mensch und Tier Magengeschwüre. Daher können Methoden, die das Gleichgewicht zwischen beiden Anteilen des vegetativen Nervensystems fördern, die Gesundheit verbessern. Außerdem wird die Lernfähigkeit gefördert, da bei einem Sympathikusübergang die Tendenz besteht, alte vertraute Verhaltensmuster ohne Refexion abzuspulen.
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