Verletzung in der Fesselbeuge

FG Pferd Carina,  (von Doris Zabrocki, TTEAM-Practitioner und IPZV Trainer C)

Inhaltsverzeichnis 

Vorgeschichte

Carina ist von Tierschützern von einem Schlachttransport gerettet worden. Sie kam in eine Ponyreitschule, wurde dort aufgepäppelt und bekommt jetzt ihr Gnadenbrot. Über ihr Vorleben ist nichts bekannt. Carina hat ihrem Gangbild nach zu urteilen Arthrosen in beiden Hinterbeinen, rechts etwas deutlicher. Ich kam mit Carina in Berührung, einen Tag nachdem sie sich am linken Hinterbein verletzte: eine Heukordel hatte sich um die Fessel gewickelt und die Haut in der Fesselbeuge eingeschnitten. Carina macht insgesamt einen alten, aber nicht ausgelaugten Eindruck auf mich. Sie war recht zappelig, blieb keinen Moment ruhig stehen und hatte zunächst keinerlei Interesse, mit mir zusammen zu arbeiten. Das linke Hinterbein war im Bereich der Fessel geschwollen, und auch ein Stück weit das Röhrbein hinauf.

 

TTEAM-Arbeit

Am Körper ließ Carina sich zwar anfassen, blieb aber immer noch nicht stehen. An das verletzte Bein kam ich zunächst gar nicht. Am ersten Tag hatte ich keinen Helfer zur Verfügung, weshalb ich Carina fressen ließ, damit sie still stand. Die Berührung blieb an allen Beinen zunächst schwierig, vor allem an den Innenseiten. Das verletzte Bein war deutlich warm vom Huf bis zum Röhrbein. Zuerst machte ich schnelle kleine Heber an den Beinen, bis Carina die Berührungen mehr und mehr akzeptierte. Die Haut war an allen Beinen recht schwer zu bewegen. Später arbeitete ich am verletzten Bein mit langsameren Hebern, Waschbär-TTouches rund um die Verletzung und aufgerollter Python. Am Ende der ersten Einheit konnte ich sie am ganzen linken Hinterbein berühren, nur oben an der Innenseite zeigte sie noch leichte Abwehrreaktionen. Am Abend des gleichen Tages trat Carina mit dem kranken Bein bereits etwas besser auf, es lief relativ festes Sekret aus der Wunde ab. Da ich jetzt einen Helfer zur Verfügung hatte, versuchten wir, Carina mit der Gerte abzustreichen. Das akzeptierte sie schnell und stand deutlich ruhiger. Ich wiederholte die TTouches vom Morgen und machte zusätzlich etwas Maularbeit. Das akzeptierte sie außen sehr gut, mochte aber die Berührung im Maul nicht. Am nächsten Tag strich wieder ein Helfer Carina mit der Gerte ab. Sie stand relativ ruhig und akzeptierte die Berührungen am verletzten Bein sehr schnell, auch an der Beininnenseite. Sie lahmte immer noch leicht, die Wärme im Bereich des Fesselkopfes jedoch war deutlich zurück gegangen. Ich wiederholte die TTouches vom Vortag, konnte jetzt auch kurz ins Maul fassen, was Carina mit abkauen kommentierte. Das Abstreichen mit der Gerte ließ sie schneller und nachhaltiger still stehen. Wir arbeiteten wieder zwei mal mit ihr. Am dritten Tag zeigt Carina erstmalig aktives Interesse, als ich sie holte. Mit nur wenige Abstreichen stand sie ruhig. Ich habe sie wie an den vorherigen Tagen gearbeitet und zusätzlich kleine Beinkreise dicht am Boden gemacht. Die Maularbeit nahm sie jetzt auch innen gut an. Sie zeigt sich während der Arbeit sehr interessiert an dem, was wir machten. Das Bein war dünner und nicht mehr warm, sie trat deutlich besser auf. Im Laufe des Tages trabte sie freiwillig eine Runde durch den Paddock. Abends trat sie mit dem linken Hinterbein gut auf, jetzt wirkte eher das rechte Hinterbein etwas steif und kürzer tretend. Daher habe ich neben den Übungen vom Vormittag noch mit dem rechten Hinterbein gearbeitet und auch hier vorsichtiges Beinkreisen gemacht.

 

Ergebnis

Am folgenden Tag war das verletzte Bein in gutem Zustand, die Kruste auf der Wunde begann sich zu lösen. Ich habe beide Hinterbeine noch mal mit den bewährten TTouches bearbeitet. Abends fing die Wunde dann noch mal an zu bluten. Am nächsten Tag war die Wunde leicht eitrig, aber das Sekret lief gut ab und das Bein blieb dünn und war nicht warm. Carina trabte lahmfrei.

 

Doris Zabrocki

www.isitrainer.de

Autor/in:

Doris Zabrocki
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Tente 32
42929
Wermelskirchen
Deutschland